WTF?! Gruppenchat
Ein Bildungsmodul zu Memes, Hate Speech und digitaler Zivilcourage
Ein rassistischer Spruch im Azubi-Chat, über den einige lachen. Ein KI-generiertes Meme über eine Mitschülerin, das eine Grenze überschreitet. Ein Video mit politischen Behauptungen, bei denen niemand so genau weiß, ob sie stimmen. Was tun? Ignorieren? Widersprechen? Melden? Und was, wenn die anderen im Chat das alles gar nicht so schlimm finden?
Gruppenchats gehören für viele Schüler*innen und Auszubildende selbstverständlich zum Alltag. Sie dienen der Organisation, dem Austausch und dem sozialen Miteinander. Gleichzeitig können dort rassistische, diskriminierende oder demokratiefeindliche Inhalte geteilt und weiterverbreitet werden. Wie lassen sich solche Inhalte erkennen und einordnen? Und welche Möglichkeiten gibt es, darauf zu reagieren?
Das Bildungsmodul „WTF?! Gruppenchat“ greift diese Fragen auf und verbindet politische Bildung mit Medienbildung. Im Mittelpunkt stehen die digitalen Lebens- und Arbeitswelten junger Menschen und die Frage, wie demokratische Handlungskompetenz auch in digitalen Kommunikationsräumen gestärkt werden kann.
Gruppenchats sind auch politische Räume
Gerade für junge Menschen kann der Umgang mit problematischen Inhalten herausfordernd sein. Sie bewegen sich in schulischen und betrieblichen Zusammenhängen, erleben Gruppendruck und müssen mitunter abwägen, welche Folgen ein Widerspruch haben könnte. Was ist „noch ein Witz“? Wo beginnt Diskriminierung? Und welche Möglichkeiten gibt es, selbst einzugreifen oder andere zu unterstützen?
Hier setzt das Modul an. Die Teilnehmenden reflektieren ihr eigenes Nutzungsverhalten, setzen sich mit Funktions- und Wirkungsweisen von Memes und rechtsextremer Bildsprache auseinander und erkunden rechtliche und zivilgesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Hate Speech – von Gegenrede über das Melden problematischer Inhalte bis hin zum Blockieren von Nutzer*innen.
Aufbau und didaktisches Konzept
Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene – Auszubildende (16 bis 25 Jahre)
Gruppengröße: Max. 18 Teilnehmende
Dauer: 180 Minuten (4 Schulstunden), zzgl. Pausen, auch flexibel einsetzbar
Das Manual richtet sich an politische Bildner*innen, Teamer*innen und Multiplikator*innen der außerschulischen und betrieblichen Bildungsarbeit. Es kann in Schulen und Berufsschulen, Betrieben, Bildungsurlauben und vergleichbaren Formaten eingesetzt werden.
Didaktisch verbindet das Modul Wissensvermittlung, Reflexion und praxisorientiertes Handeln. Sechs aufeinander aufbauende Übungseinheiten und eine optionale Vertiefung führen vom eigenen Umgang mit Gruppenchats über die Analyse von Memes bis zur Entwicklung konkreter Handlungsmöglichkeiten. Eine ZIM-Übersicht zu Zielen, Inhalten und Methoden bietet Orientierung für die Durchführung.
Der Ablauf ist dabei ausdrücklich flexibel: Einzelne Übungen können angepasst, kombiniert oder separat eingesetzt werden. Abwandlungs- und Erweiterungsvorschläge laden dazu ein, das Modul an unterschiedliche Zielgruppen und Bildungskontexte anzupassen.
Das SafeChat-Navi: vom Erkennen zum Handeln
Kernstück des Moduls ist das SafeChat-Navi. Die Teilnehmenden arbeiten in Kleingruppen mit konkreten Szenarien, die auf realen, anonymisierten Fällen aus der Bildungs- und Beratungspraxis beruhen. Sie spiegeln typische Situationen wider, mit denen junge Menschen in digitalen Kommunikationsräumen konfrontiert sein können.
Anhand von Leitfragen diskutieren die Teilnehmenden verschiedene Reaktionsmöglichkeiten und wägen diese gegeneinander ab: Welche Handlungsspielräume habe ich selbst – und welche hat die Gruppe? Wann brauche ich Unterstützung von außen? Was stärkt digitale Zivilcourage? Und was passiert, wenn niemand eingreift?
Dabei gibt es bewusst nicht die eine „richtige“ Reaktion. Entscheidend ist vielmehr, unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen und situationsgerecht einschätzen zu können.
Nicht nur erkennen, sondern handeln können
„WTF?! Gruppenchat“ verbindet die kritische Auseinandersetzung mit digitaler Kommunikation mit der Frage nach der eigenen Rolle und Verantwortung. Digitale Zivilcourage bedeutet dabei nicht, sich in jede Auseinandersetzung einmischen zu müssen. Auch persönliche Grenzen, Gruppendynamiken und mögliche Abhängigkeiten spielen eine Rolle.
Das Modul macht deshalb unterschiedliche Wege sichtbar – von Counter Speech über Melden und Dokumentieren bis zum Einholen externer Unterstützung. Zugleich geht es darum, wie Betroffene gestärkt werden können und welche Verantwortung eine Gruppe als Ganzes trägt.
Die Szenarienarbeit kann außerdem Ausgangspunkt für einen Klassen- oder Gruppenchatkodex sein: Wie wollen wir miteinander kommunizieren? Welche Inhalte wollen wir nicht unwidersprochen stehen lassen? Und was können wir gemeinsam tun, wenn Grenzen überschritten werden?
So wird der Gruppenchat selbst zum Gegenstand politischer Bildung – als Raum, in dem gesellschaftliche Konflikte und Diskriminierung sichtbar werden, aber auch Solidarität, Widerspruch und demokratisches Handeln möglich sind.
Ein Modul aus der Bildungspraxis
Das Modul wurde von den politischen Bildnerinnen Aygün Habibova und Charlotte Lohmann konzipiert, erprobt, überarbeitet und verschriftlicht. Fachlich begleitet wurde die Entwicklung durch die Arbeit und Leben Fachgruppe „Digitale Welt: Mitwirkungspotenziale und Handlungsoptionen“.
Das Manual versteht sich als lebendiges Angebot: Die Methoden können ausprobiert, verändert und an unterschiedliche Gruppen und Rahmenbedingungen angepasst werden.
Material zum Download
Das Modul-Manual „WTF?! Gruppenchat – Ein Bildungsmodul zu Memes, Hate Speech und digitaler Zivilcourage“ sowie die dazugehörigen Materialien stehen kostenfrei zur Verfügung.
Alle Materialien zum Download und Selbstausdrucken.
- Modulhandbuch WTF?! Gruppenchat
- Präsentation (PowerPoint)
- SafeChat-Navi Fragen
- Gruppenchat Rollenkarten
Die Materialien sind unter CC BY-NC-SA 4.0 lizenziert. Das Modulhandbuch kann als Print-Ausgabe per Mail Anfrage an beim Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben bezogen werden.

Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMBFSFJ dar. Die Verantwortung für den Inhalt der Veröffentlichung liegt bei der Autorin/dem Autor.
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI generiert.