Bundesweiter Arbeitskreis Gender Mainstreaming

Wer sind wir:

Wir sind ein vom Vorstand des Bundesarbeitskreis ARBEIT UND LEBEN (AL) eingesetzter Arbeitskreis, der die politische Strategie des Gender Mainstreaming in der Organisation und in die Bildungspraxis einbringt.

Wer macht mit:

An diesem bundesweiten Arbeitskreis beteiligen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den AL Landesorganisationen und von der Bundesgeschäftsstelle.

Die Mitglieder des Arbeitskreises repräsentieren verschiedene Funktionsebenen von ARBEIT UND LEBEN. Neben Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern sind im Arbeitskreis vor allem Bildungsreferentinnen und Bildungsreferenten aktiv.

Wie sind wir entstanden:

Ein Schwerpunkt unserer Angebote bezieht sich insbesondere in der politischen Bildung, aber auch in der beruflichen und kulturellen Bildung auf die Arbeit mit Mädchen und Frauen. Seit Anfang der 90er Jahre konnten in diesen Feldern zahlreiche Bildungsangebote und Projekte entwickelt und durchgeführt werden. Begleitet wurden diese unterschiedlichen Aktivitäten vom Arbeitskreis Frauen, der sich Anfang der 90er Jahre gegründet hat.

Parallel zu den allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen und letztlich mit der Beschreibung des politischen Strategie Gender Mainstreaming im Amsterdamer Vertrag entwickelten sich ausgehend von der Mädchen- und Frauenbildungsarbeit Diskussionen hin zu Fragen der Umsetzung von Gender Mainstreaming in den Bildungsangeboten von ARBEIT UND LEBEN. In diesem Kontext wurden erste Fortbildungen durchgeführt, um pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit diesem neuen Ansatz vertraut zu machen.

Seit Mitte der 90er Jahre erfolgte eine Akzentuierung in der geschlechterbezogenen Bildungsarbeit, insbesondere im Bereich der Fachgruppenarbeit in der politischen Jugendbildung. Ein Ergebnis dieser Arbeit sind u.a. die von ARBEIT UND LEBEN herausgegebenen „Empfehlungen zur geschlechtergerechten Bildungsarbeit“.

Eine Konsequenz daraus war, dass neben der mädchen- und frauenspezifischen Arbeit Fragen des Gender Mainstreaming zunehmend ins Blickfeld der Konzeption, Durchführung und Evaluation von Bildungsveranstaltungen sowie der Organisationsentwicklung rückten und erste Überlegungen zur Gründung eines entsprechenden internen Gremiums angestellt wurden.

Was konnten wir bislang initiieren:

Folgerichtig haben wir in einer ersten Phase zunächst einen Schwerpunkt darauf gelegt, haupt- und nebenberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Themenfeld Gender Mainstreaming zu qualifizieren. In diesem Zusammenhang stehen die im Folgenden beispielhaft skizzierten Aktivitäten:

  • Beteiligung am Modellprojekt „GeQuaB: Gender Qualifizierung für die Bildungsarbeit“; innerhalb dieses bundesweiten Modellprojekts unter Federführung des Forschungsinstituts für Arbeit, Bildung, Partizipation (FIAB) und Förderung durch das BMBF wurden insgesamt zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den AL Einrichtungen Hamburg, Hessen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Thüringen und vom Bundesarbeitskreis zu Gendertrainerinnen und Gendertrainern qualifiziert.
  • Durchführung von Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit Förderung des BMFSFJ und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) unter Beteiligung der AL Landesorganisationen,
  • Fortbildungsprojekt von AL Mecklenburg-Vorpommern in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung „Gender Kompetenz durch Gender Training und Genderberatung: Eine berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahme“.
  • „Mit dem Genderblick betriebliche Probleme lösen und Geschlechtergerechtigkeit fördern: Ein Konzept zur Anwendung und Schulung des Genderblicks für die Prozessbegleitung in kleinen und mittelständischen Unternehmen“ - Durchführung AL Rheinland-Pfalz

Neben der Qualifizierung der haupt- und nebenberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie spezifischer Zielgruppen haben wir einen zweiten Schwerpunkt auf den Zusammenhang von Gender Mainstreaming und Qualitätsentwicklung gelegt.

Exemplarisch sind die folgenden Initiativen zu nennen:

  • Das von ARBEIT UND LEBEN gemeinsam mit der DEAE entwickelte Qualitätsentwicklungsmodell „QVB - Qualitätsentwicklung im Verbund von Bildungseinrichtungen“ integriert die Perspektive des Gender Mainstreaming explizit in das Modell und unterstreicht durch entsprechende Reflexions- und Anleitungsfragen, dass alle Gestaltungsbereiche der Organisation auch nach den Kriterien des Gender Mainstreamings betrachtet und weiterentwickelt werden.
  • AL NRW hat seine Testierung nach dem LQW-Modell im selbstbestimmten Qualitätsbereich um das strategische Entwicklungsziel Gender Mainstreaming erweitert und entsprechende Maßnahmen ergriffen.
  • AL Rheinland-Pfalz hat gemeinsam mit anderen Einrichtungen das Projekt „Gender Mainstreaming in der Qualitätsentwicklung für Weiterbildungsorganisationen“ initiiert.

Was möchten wir in Zukunft tun:

Der Arbeitskreis Gender Mainstreaming hat sich darauf verständigt, die Implementierung von Gender Mainstreaming in die Bildungsangebote, Strukturen und organisatorischen Abläufe der Einrichtungen von ARBEIT UND LEBEN weiter zu begleiten und zu unterstützen. Mit der Erstellung des Gender-Berichts „Fortschritt und Ungleichzeitigkeit – Die Umsetzung von Gender Mainstreaming bei ARBEIT UND LEBEN“ ist der Stand der Implementierung in diesem Bereich bei ARBEIT UND LEBEN beschrieben.

Weitere Schwerpunktsetzungen ergeben sich daraus für die Zukunft:

  • Entwicklung von Handreichungen und Checklisten zur Gender Mainstreaming-Umsetzung in der praktischen Bildungsarbeit wie in der Organisation,
  • Beratung und Begleitung von Trainings, Qualifizierungsmaßnahmen und Projekten.
  • Entwicklung von entsprechenden Prüfungs- und Evaluationsinstrumentarien,
  • Implementierung von Gender Mainstreaming in die innerverbandlichen Strukturen.

Das bedeutet, dass der Arbeitskreis auf der politischen, organisationspolitischen und bildungspraktischen Ebene einen Betrag dazu leisten will, dass Gender Mainstreaming zum integralen Bestandteil aller Aktivitäten von ARBEIT UND LEBEN wird.

Wie verankern wir unsere Arbeit im Selbstverständnis von ARBEIT UND LEBEN:

Mit unserer Bildungsarbeit wollen wir dazu beitragen, dass sich die Arbeit und das Leben der Menschen nach den Prämissen von sozialer Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität mit dem Ziel einer demokratischen Kultur der Partizipation entwickeln. Dieser grundlegende Anspruch fordert auf, jeweils neu zu definieren, wie diese Prämissen inhaltlich gefüllt werden können. Für uns eröffnet die Strategie des Gender Mainstreaming eine Facette, um eine gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen in allen Arbeits- und Lebensbereichen zu ermöglichen.

In diesem Sinne verstehen wir unsere Arbeit im Arbeitskreis Gender Mainstreaming als eine Förderung der gleichberechtigten Teilhabe von Männern und Frauen in den verschiedenen gesellschaftlichen Subsystemen, insbesondere aber in der Arbeitswelt und Politik.

Der Ansatz des Gender Mainstreaming erübrigt aus unserer Sicht keineswegs eine eigenständige Bildungsarbeit mit Mädchen und Frauen. Nach wie vor gibt es geschlechterbezogene Ungleichheiten auf dem Erwerbsarbeitsmarkt sowie bei den Zugängen zu verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen für Mädchen und Frauen. Unterschiedliche Lebenslagen, Lebenserfahrungen und Lernkulturen erfordern insofern auch unterschiedliche Bildungsangebote.